„Der Wurm muss dem Fisch schmecken“

Gießener Allgemeine vom 5. September 2015:

 

Interview mit Georg Schlierbach (Sängervereinigung Gleiberg) zum Thema Nachwuchspflege

Schon seit Jahren macht die Sängervereinigung Gleiberg immer wieder durch innovative Chorprojekte von sich reden. Am kommenden Montag, 7. September, startet der Verein ein neues Projekt, es heißt „Total vocal“. Anlass für die Gießener Allgemeine Zeitung, den Vorsitzenden Georg Schlierbach zu den bisherigen Projekten und die neuesten Ideen zu befragen.

Herr Schlierbach, in der Durchführung von Chorprojekten hat die Sängervereinigung Gleiberg reichlich Erfahrung. Mit welchen Projekten hat es angefangen, wie hat es sich weiterentwickelt?

Georg Schlierbach (GS): Der Ursprung unserer Projektarbeit lag im Jahre 2002, als wir ein gemeinsames Adventskonzert mit dem Ural-Kosaken-Chor gestaltet haben. 2004 ist unser Verein 125 Jahre alt geworden und wir haben erstmals ein Chorprojekt mit moderner Chormusik gestartet. Seit 2006 beteiligen wir uns regelmäßig alle zwei Jahre mit einem Chorprojekt mit Oldies und Schlagern an den Wettenberger „Golden Oldies“ und auch zwischendurch öffnen wir regelmäßig unseren Chor für Außenstehende.

Was heißt konkret „den Chor öffnen“ und wie waren ihre Erfolge in den einzelnen Projekten?

GS: Den Chor zu öffnen heißt, dass wir sangesinteressierten Menschen die Möglichkeit zum Mitsingen bieten, ohne dass diese sich gleich mit den üblichen „mitgliedschaftlichen Verpflichtungen“ an den Verein binden müssen. Bei keinem unserer bisherigen Projekte haben wir einen finanziellen Beitrag oder den Beitritt in den Verein gefordert. Darüber hinaus war uns bewusst, dass es für die eine ein oder den anderen „nur“ ein Engagement auf Zeit werden wird.

Erfolgreich waren diese Projekte insofern, da wir die Zahl der Aktiven in unserem Chor innerhalb weniger Jahre auf rund 40 Sängerinnen und Sänger fast verdoppeln konnten. Über all´ die Jahre hinweg ist es uns so gelungen, den demografischen Wandel in unserem Chor, d.h. das altersbedingte Ausscheiden von Aktiven auszugleichen.

Gibt es da ein Erfolgsrezept?

GS: Nein, das würde ich nicht sagen. Wie so oft im Leben spielen auch dabei verschiedene Punkte eine Rolle: In den Köpfen der Verantwortlichen, aber auch in denen der Sängerinnen und Sänger muss zunächst eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein, neue Wege auszuprobieren und dabei auch ein gewisses Risiko einzugehen. In gewisser Weise sind wir da schon ein bisschen „experimentierfreudig“. Die Literaturauswahl – abseits dessen, was man üblicherweise von Chören kennt – war sicherlich auch ein Baustein für den Erfolg unserer Projekte. Wir konnten Aufmerksamkeit und Interesse bei Menschen wecken, die es sich vorher nicht vorstellen konnten, dass Chöre derartige Literatur singen – frei nach dem Motto „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“.

Ganz allgemein kann man sagen, dass die beste Lebensversicherung für einen Chor eine gewisse Neugier ist und die Bereitschaft Neues auszuprobieren. Man muss die heutige Generation bei ihren Hörgewohnheiten, der Musik aus dem Popularbereich, abholen. Gerade der Workshop mit dem bundesweit bekannten Chor-Arrangeur Oliver Gies und das gemeinsame Konzert mit seiner Gruppe „Maybebop“ Ende Mai, an dem sich unser Chor musikalisch beteiligt hat, hat uns deutlich gezeigt, dass genau dies der richtig Weg ist. Hier wollen wir ansetzen und weitermachen.

Was heißt das konkret?

GS: Nach den Sommerferien starten wir mit „Total vocal“ ein neues Chorprojekt, das sich aktueller Literatur und den besten Hits der letzten 50 Jahre zuwenden möchte. Hier suchen wir „starke Frauen“ und „echte Kerle“ die gemeinsam mit unserem Dirigenten Andreas Stein bis Ende Juli nächsten Jahres ein modernes Repertoire erarbeiten, dass bei den Wettenberger „Golden Oldies“ sowie einem gemeinsamen Konzert mit unserem befreundeten Chor „Urbanissimo“ aus Baden-Württemberg präsentiert werden soll.

Wann und wo fällt denn der Startschuss?

GS: Wir starten am kommenden Montag, 7. September um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Gleiberg in der Burgstraße 65, aber auch an den darauffolgenden Montagen ist ein Einstieg zu gleicher Zeit möglich. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.Wem Chorgesang bisher zu altbacken ist, der oder die hat mit „Total vocal!“  jetzt die passende Alternative – und wirklich keine Ausrede mehr!